Naturprojekte

Der Kartoffelsack oder ein ungewöhnlicher Intelligenztest

Die dümmsten Bauern ernten bekanntlich die dicksten Kartoffeln. Wollen wir doch mal sehen…

Im Frühjahr/ Sommer 2019 haben wir uns als Kartoffelbauern versucht.

Woher viele unserer Lebensmittel kommen, wie sie wachsen und hergestellt werden, ist den Kinder zunehmend unbekannt. Nutztiere können wir nicht halten und größere Beete haben wir auch nicht zur Verfügung. Da kam uns die Idee Kartoffeln in einem Pflanzsack anzubauen. Zusammen mit den Kindern haben wir uns in Gartenbüchern und im Internet schlau gemacht, wie dies funktioniert.

Am 15. Mai haben wir die zuvor vorgekeimten Kartoffeln eingepflanzt. Da Kartoffeln nicht winterhart sind, mussten wir dafür bis nach den Eisheiligen warten.

In den Sack kam eine Schicht Kies, um Regenwasser besser ablaufen zu lassen. In der Fachsprache heißt es dann oft, um Staunässe zu verhindern. Dann kam eine dünne Schicht Erde, dann unsere 3 Setzkartoffeln, und dann nochmals eine dünne Schicht Erde. Dann hieß es erst einmal warten und eventuell gießen.

Sieben Tage später haben die Kinder die ersten 6 Blättchen der Kartoffelpflanze entdeckt. Diese wurden wieder mit Erde bedeckt. Dieses Verfahren nennt man anhäufeln. Insgesamt haben wir 5mal Erde und Kompost auf die hindurchgewachsenen Blätter gegeben. Dann war unser Pflanzsack voll mit Erde, und die Kartoffelblätter schauten oben heraus. Dafür haben die Kartoffeln ungefähr 3 Wochen gebraucht.

Von den Kindern liebevoll umhegt, gegossen und beobachtet, waren die grünen Triebe 3 Tage später schon 16 cm lang. 8 Tage später sind sie auf 36 cm herangewachsen, und wurden auch noch von keinem Fussball getroffen. Ende Juni sind die Kartoffeltriebe 56 cm lang und die Pflanze blüht. Leider ist es bei dieser einen Blüte geblieben, die auch keine Früchte angesetzt hat. Wir wussten aber, dass man die Früchte der Kartoffeln nicht essen kann. Sie sehen zwar aus wie Tomaten, und sind auch mit ihnen verwandt, aber Kartoffelfrüchte sind giftig. Jetzt haben wir die Pflanzen mit einem herkömmlichen Gemüsedüngen einmal gedüngt.

Am 9.Juli war die Pflanze 64 cm groß und die Stängel wuchsen gerade nach oben. Während der drei Wochen Sommerferien, in denen die OGS geschlossen war, war der Pflanzsack bei einer Betreuerin zuhause.

Nach der Rückkehr in den OGS-Garten waren die Triebe auf 1,10 Meter herangewachsen und hingen herab. Die Pflanze sah aber gesund aus. Durch den Umzug in den Ferien ist unsere Kartoffel dem Befall durch den Kartoffelkäfer entkommen. Kartoffelpflanzen in Garten einer Betreuerin, die in der Nähe der Schule wohnt, wurden befallen. So konnten wir uns die Larve dieses Schädlings anschauen, und besprechen, was wohl ein Bauer macht, dessen Feld von Schädlingen befallen wird. Da hilft absuchen, wie bei einer einzigen Pflanze möglich, natürlich nicht mehr. Dann spritzen die Bauern giftige Substanzen. Das ist nicht gut für die Umwelt, aber sonst kann man nur wenige Kartoffeln ernten. Und wenn kein Supermarkt da wäre, müsste man im Winter hungern.

Wir wollten beobachten, wie aus der Kartoffelkäferlarve ein Kartoffelkäfer wird. So wurde die Larve in ein kleines Terrarium gesetzt und mit einzelnen Kartoffelblättern gefüttert. Leider hat ein neugieriger Tierschützer die Larve nach zwei Tagen freigelassen.

Jetzt konnte man nur noch warten und gespannt auf die Ernte sein. Laut Internet soll man warten bis das Kartoffelkraut trotz ausreichend Wasser vertrocknet.

ünktlich zu den Herbstferien war es soweit. Früher nannte man die Herbstferien auch Kartoffelferien, da dann alle Kinder frei hatten, um bei der Ernte zu helfen. Unser Kraut war fast vollständig verdorrt, und durch den Kartoffelsack konnte man einige dicke Kartoffelknollen fühlen.

Am 14. Oktober, also 5 Monate nach dem Pflanzen, haben wir unsere Kartoffeln geerntet. Es war fast wie das Öffnen einer Schatztruhe. Jedes Kind durfte eine Kartoffel aus der Erde holen. Am Ende waren es 2,5 kg Kartoffeln, große und kleine Knollen. Sind wir jetzt schlaue oder dumme Bauern? Anscheinend eine gesunde Mischung. Das Sprichwort sagt aber eigentlich auch nur aus, daß der Kartoffelanbau nicht so schwer ist.

Wir haben mit den Kindern besprochen, was man alles aus Kartoffeln zubereiten kann. Uns fielen Unmengen an Rezepten ein. Warum ist das wohl so? Früher gab es eben im Winter nur Kartoffeln. Und tagelang nur dasselbe essen ist langweilig. Also haben sich über lange Zeit jede Menge Zubereitungsarten entwickelt.

Wir haben uns für Kartoffelecken entschieden. Sie waren sehr lecker, und ganz schnell aufgegessen. Wenn wir Alle mit unseren Kartoffeln über den Winter kommen wollten ohne zu verhungern, hätten wir ein sehr großes Feld anbauen müssen.