Naturprojekte

Schneckenprojekt

Im Frühjahr haben wir beschlossen, mit den Kinder der OGS Tiere zu erforschen. Nur welche? Regenwürmer-die sieht man ja in der Erde nicht so richtig. Fische – zu viel Aufwand, Hamster, Mäuse oder Meerschweinchen- vielleicht hat eines der Kinder eine Tierhaarallergie. Das geniale Forschungstier – die Schnecke.

Schnell war ein altes Terrarium gefunden und es wurde eifrig studiert, welche Bedingungen Schnecken brauchen, um dort zu leben. Man braucht eigentlich sehr wenig: Terrarienerde muss man kaufen, da normale Erde eventuell Schädlinge enthält und Blumenerde schadstoffbelastet ist. Außerdem lieben es Schnecken feucht und schattig. Daher stand unser Terrarium nicht direkt am Fenster.

Ende März, kaum aus ihrer Winterruhe erwacht, sind 7 Hain-Bänderschnecken bei uns eingezogen.

Kurz wurden ein paar Regel besprochen: Immer die Hände waschen, wenn man die Schnecken angefasst hat, die Tiere nicht ärgern, und mit den Tieren am Terrarium bleiben.

Die OGS Kinder waren ganz begeistert und haben die Tiere sofort über ihre Hände kriechen lassen. Auch der Forschergeist ist erwacht. So fanden die Kinder heraus, dass die Schnecken lieber auf ihren Händen sind, wenn diese feucht sind. Und die Schnecken verhielten sich ohne jegliche Scheu und krochen auf zahlreichen Händen herum.

Die Kinder näherten sich den Tieren ohne Anleitung eher künstlerisch. So haben sie die einzelnen Tiere abgezeichnet und ihnen Namen gegeben.

Die Schneckenanatomie wurde natürlich auch studiert. Jedes Kind weiß jetzt, dass die Schnecke mit ihrem Fuß kriecht, dass sie ein Gehäuse hat, ein Atemloch und einen Kopf mit einem Paar Tastfühlern und einem Paar Augenfühlern. Und Alle wissen jetzt, dass Schnecken eine Raspelzunge haben, die Radula heißt.

Die Kinder haben, unter unserer Anleitung, bei der täglichen Versorgung der Weichtiere geholfen. So wurden die die Schnecken täglich mit frischen Wildkräutern und Gemüse versorgt. Wir haben einen Schneckenspeiseplan erstellt und dokumentiert, was die Tiere gerne fressen, und was eher nicht. Es wurden ihnen 21 verschiedene Kräuter angeboten. Gurken, Wiesenbärenklau, Radieschenblätter, Möhrenstreifen und Klee waren bei unseren Schnecken die Lieblingsspeise. Neben der pflanzlichen Kost brauchen die Schnecken noch Kalk für den Aufbau ihres Gehäuses. Dies wurde ihnen in Form von Eierschalen zur Verfügung gestellt.

Neben dem Füttern mussten auch täglich die Glasscheiben mit Wasser gereinigt werden. Das haben aus hygienischen Gründen die Erwachsenen übernommen.

Anfang April sind zu den Bänderschnecken noch zwei Weinbergschnecken in unser Terrarium eingezogen. Diese stehen unter Artenschutz und ihre Haltung musste von der Stadt Bochum genehmigt werden.

Weinbergschnecken sind deutlich größer als die Bänderschnecken, und füllen eine Kinderhand ganz aus. Da hatten die OGS Kinder richtig Respekt, einige mutige haben sich aber getraut auch diese Exemplare über ihre Hände kriechen zu lassen.

Die Anatomie der Schnecken kannte wir nun, auch was sie fressen war uns bekannt. Wie sie sich fortbewegen, haben wir durch Beobachten gelernt. Wenn sie über die Terrarienscheiben kriechen, kann man die fortlaufenden Muskelkontraktionen besonders gut sehen.

Forscher machen Experimente. Wir wollten herausfinden, ob Schnecken etwas hören können. Also wurde eine Weinbergschnecke auf der Hand eines Erwachsenen von 30 Kinder angeschrien, was die Lungen der Kinder so hergab. Und die Schnecke hat nicht einmal mit den Fühlern gezuckt. Also Schnecken können nichts hören.

Außerdem haben wir die Schnecken über scharfe Glassplitter kriechen lassen. Sie haben keinerlei Verletzungen davongetragen, denn sie schwimmen auf ihrem Schleim über die scharfen Kanten.

Um herauszufinden warum Schnecken eine runzelige und faltige Haut haben, haben wir zwei Stoffstücke in Wasser getränkt. Eines der Stoffstücke war glatt, das andere in viele Falten und Knitter genäht. Dann haben wir gemessen welches Stoffstück schneller trocknet. Der gefaltete Stück braucht deutlich länger zum Trocknen. Die runzelige Schneckenhaut ist also ein Schutz gegen Austrocknung.

Im Rahmen eines Elternnachmittags haben wir ein Schneckenrennen durchgeführt. Nur, wie sagt man einer Schnecke, dass sie vom Start direkt zum Ziel kriechen soll? Als Schneckenforscher waren wir natürlich schon informiert, was Schnecken gerne fressen. Fragt man die OGS Kinder schallt es einem mehrstimmig entgegen: „Gurken!“. Da kann man die Schnecken beinahe schmatzen hören. Also haben wir Gurken püriert und mit dem Finger einen Gurkenwasserstreifen vom Start zum Ziel gezogen. Es hat tatsächlich funktioniert und die Kinder hatten großen Spaß. Das Schneckenrennen musste auch nach dem Elternnachmittag mehrfach wiederholt werden.

Zum Schneckenrennen haben wir auch noch ein wunderschönes Plakat gestaltet, denn die künstlerische Betrachtungsweise sollte nicht zu kurz kommen. Nach 6 Wochen in der OGS mussten wir die Weinbergschnecken wieder an ihrer Entnahmestelle freilassen.

Aber sie haben uns ein Andenken in der OGS gelassen. Zwei große Laichballen mit jeweils 20 Eiern die je ungefähr 6mm groß waren. Bei dieser Gelegenheit konnten wir den Kinder erklären, dass Schnecken Zwitter sind. Sie waren also bei dem einen Gelege Vater, und bei den anderen Mutter der Nachkommen.

Auch die Hainbänderschnecken haben Eier gelegt. Diese waren deutlich kleiner, 2mm groß. Nach 3 Wochen Entwicklungszeit sind kleine Hainbänderschnecken geschlüpft. Die Kinder haben sie gleich entdeckt und waren ganz aufgeregt. Die kleinen Bänderschnecken sind witzig, nicht größer als ein Sandkorn. Die erbsengroßen Weinberschneckenkinder brauchten vier Wochen um sich zu entwickeln und zu schlüpfen.

So hatten wir fast ein halbes Jahr Schnecken zu Gast in der OGS. Manche Mutter wurde an das Terrarium gezogen und von ihren Kindern um einen eigene Schnecke gebeten.

In dem Raum in dem die Schnecken standen wurde das unerwünschte Toben und Raufen deutlich besser. Ein Hinweis auf das Terrarium genügte meist.

Vor den Sommerferien haben wir den Kinder gesagt, dass wir jetzt alle Schnecken wieder freilassen wollen. „Aber doch nicht die Babys“, haben einige entsetzt gemeint. „Warum denn nicht?“ haben wir gefragt. „Ja, die sollen es doch auch schön haben“, antworteten die Kinder. Wir haben natürlich erklärt, dass es den Schnecken in der freien Natur viel besser geht. Irgendwie sagt Einem dies aber, dass die Kinder sich in der OGS wie in einem geschützten Raum gut aufgehoben fühlen. Und das freut jeden Betreuer. Hier läuft alles richtig!